Verliebt ins Detail: Bleistiftzeichnung vom 28.01.2017

Einen wunderschönen Tag liebe Leser,

mein Blog soll ausgebaut werden und nun regelmäßiger neue Beiträge bekommen.

Heute beginne ich, in dem ich Euch etwas über die Entstehung einer neuen Zeichnung erzähle.

 

Wie ich vorging…

Ich schwöre bei einer Bleistiftzeichnung auf Bleistifte mit verschiedenen Härtegraden, da diese die Ausarbeitung von Details und Schatten erleichtern und ich auch eine bessere Tiefe und Räumlichkeit erzielen kann. Außerdem ist mir meine Spitzmaschine zu einem unersetzlichen Helfer geworden, denn ich mag keine stumpfen Bleistifte, die sind mir nur ein Klotz am Bein. Als Papier verwende ich ganz gewöhnliches Druckerpapier.

Wenn alles bereit liegt und auch der Platz auf meinem Schreibtisch geschaffen ist, kann es los gehen. Ich beginne mit einem härteren Bleistift eine sehr helle Vorzeichnung, die mir eine erste Orientierung verschafft. Dies ist meist der trockenste „langweiligste“ Teil bei einer Zeichnung, aber sehr wichtig. Ein Lineal setze ich nur bei besonders langen Linien ein, wie etwa der Brücke. Die meisten Linien sind ohne Lineal gezeichnet und die Linien sind dann nicht immer hundertprozentig gerade, aber wie Hundertwasser sagte: „Gerade Linien sind gottlos.“ Und ich finde auch, dass meine Zeichnung so mehr Persönlichkeit hat.

Aber was das Allerwichtigste bei dieser sehr detailgetreuen Zeichenart ist: sehr viel Geduld und Zeit. Die Zeichnung benötigt mindestens so viel Zeit wie ein Ölgemälde und Konzentration. Ich achte immer darauf, dass ich auch Lust auf die Zeichnung habe und wenn ich merke, dass nicht mein Tag ist, lasse ich es lieber, schließlich soll die Zeichnung ja nicht darunter leiden. Es heißt am Ball bleiben, aber am Ende werde ich mit einer Arbeit belohnt, die den Betrachter beeindruckt.

Nach der Vorzeichnung arbeite ich den hintersten Teil der Zeichnung mit einem etwas weicheren Bleistift aus, da dieser in der Ferne liegt. Ich rücke immer weiter vor und verwende weichere Härtegrade bei den Bleistiften. Oft B2, B5, B7 oder B8. Die weicheren Bleistifte wirken dunkler und geben eine schöne Kontur.

Bei aller Liebe für die Details, manchmal nerven sie, aber letztlich habe ich meine Freude daran. Das ist ähnlich wie in einer Liebesbeziehung. Man liebt seinen Schatz, aber manchmal ist man auch über etwas Abstand froh. Die Brücke war der schwierigste Schritt und ich habe dafür ausnahmsweise ein Lineal verwendet, um die Stützpfeiler zu zeichnen. Besonders der Zug war komplex und das Gebäude auf der linken Seite. Aber heute morgen war ich sehr gut ausgeschlafen, habe die frühe Morgenstunde und das schöne Licht genutzt und die Zeichnung fertig gestellt – endlich! Davor hatte sie lange in meiner Ablage gelegen. Es ist nämlich so mit den realitätsnahen Zeichnungen, irgendwann langweilen sie mich als Künstler, da ich lieber etwas ganz und gar Eigenes erschaffe, als nur der Natur nachzueifern. Dennoch bin ich auch über diese Zeichnungen sehr stolz, da ich damit zeigen kann, was mit geringen Kräften möglich ist.

Ich freue mich sehr, wenn ich den einen oder anderen dadurch motivieren kann… denn ein Künstler kann in jedem stecken. Jedes Kind hat zumindest eine Zeitlang gerne mit Buntstiften gekritzelt, bis die Eltern kommen und ihnen den Spaß verderben, weil sie selbst nicht an die Kunst glauben.

Hintergrundgeschichte zu der Zeichnung

Die Zeichnung basiert wieder auf einem Foto von einem England-Urlaub, den ich 2013 mit meiner Familie unternommen hatte. Eine sehr kostbare Erinnerung für mich, denn dieser Urlaub war mit sehr viel Aufwand für alle Beteiligten verbunden. Eine lange Autofahrt, da Fliegen mit Elektrorollstuhl strapaziös und umständlich ist, das Auto voll mit Taschen, einem Lifter, um mich aus dem Rollstuhl zu transferieren, ein Duschstuhl und vieles mehr. Es war ein großes Abenteuer, hat viel Spaß gemacht und ich konnte einige spannende Kunstgalerien besuchen und jede Menge Fotos schießen. Und das alles ist Anlass genug für eine aufwendige Zeichnung. Nun, ich gebe zu, manche Details musste ich abwandeln, sonst hätte ich von vorne beginnen müssen und schließlich bin ich ja kein Fotoapparat.

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